Kinotechnik
Technik
Wie wird der Film angeliefert?    
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag treffen im Normalfall die neuen Filmkopien im Kino ein. Dies geschieht durch eine eigene Spedition oder Paketauslieferer wie TNT, die die Filme aus dem Filmlager und den Kinos holen und wieder verfahren.

Heute gibt es im Kino eigentlich nur noch 35-mm-Kopien. Die heißen so, weil sie genau 35 mm breit sind, inklusive Tonspur und Perforation. Siehe Bild. [Dieser Filmstreifen stammt aus GOOD BYE, LENIN!, Anfang 4. Akt, rechts neben dem Bild sieht man die Lichttonspur und daneben, zwischen den Perforationslöchern, die Dolby Digital Informationen, dts oder SDDS fehlen bei diesem Film]

Die Filme kommen dann in recht unspektakulären Kartons im Kino an. In dieses Kartons befinden sich dann runde Plastikdosen, in denen sich jeweils etwa 20 Minuten [oder 600 m] Film befinden. Diese Stücke, die nur um einen Plasikkern [=Bobby] gewickelt sind, nennen sich Akte. Je nach Länge besteht ein Film im Normalfall aus 4 bis 10 Akten.

Diese werden dann vom Vorführer, in der richtigen Reihenfolge, aneinander geklebt. Wie das geht, zeigt dieses Video, das im Cinema Eden in Bozen entstand:

Wie kommt der Film in den Projektor?    
Hier gibt es drei verschiedene Möglichkeiten:

1. Die 1.800-m-Spule
Hier wird der Film noch auf richtige Spulen gespult. Allerdings passen auf die Spulen nur etwa eine Stunde Film. Um keine Pause machen zu müssen, braucht man also zwei Projektoren, wobei dann am Ende der ersten Spule auf den anderen Projektor mit der zweiten Spule gewechselt werden muss. Ist der Film länger wird eben noch mal auf die dritte und womöglich sogar vierte Spule übergebendet. Hier werden die Spulen meist direkt oben auf den Projektor gesteckt und durch eine zweite Spule unten wieder aufgenommen. Nach der Projektion werden die Spulen an einem separaten Spultisch zurückgespult.

2. Die 3.600- bis 5.000-m-Spule
Diese Spulen sind deutlich größer, wie die oben genannten. Hier passt der ganze Film auf die Spule, naja, über 2 ½ Stunden wird es dann schon knapp. Diese Spulen werden in einen separaten Spulenturm eingehängt und über mehrere Umlenkrollen zum Projektor und wieder zurück geführt. Dann wickelt sich der Film auf eine weitere Spule. Nach der Vorstellung muss der Film im Spulenturm oder auf einem separaten Umspultisch zurückgespult werden.

3. Der Teller
Der Filmteller ist eine der wichtigsten Errungenschaften für die Multiplex-Kinos. Hier wird der Film nicht mehr auf eine Spule gespult, sondern liegt flach auf einem runden Teller. Aus der Mitte des sich drehenden Tellers wird der Film über mehrere Umlenkrollen zum Projektor geführt. Dann wieder zurück auf einen weiteren sich drehenden Teller, wo der Film wieder von der Mitte aus aufgewickelt wird. Die große Zeit- und Arbeitsersparnis an dieser Technik ist, dass der Film nicht mehr zurückgespult werden muss, sondern direkt wieder eingelegt werden kann.

4. Der Endlosteller
Die Teller-Technik hat eine noch weitere Steigerung erhalten mit dem sogenannten Endlosteller. Hier muss der Film am Ende der Vorstellung nicht mal mehr eingelegt werden, da der Anfang der Rolle mit dem Ende direkt verklebt ist und der Film nach dem Durchlauf durch den Projektor an der Außenseite des Films einfach wieder aufgewickelt wird. Damit der Film dann nicht irgendwann vom Tellerrand stürzt wird er mit Greifarmen immer wieder in die Mitte gezogen, was dann ein sternförmiges Bild hinterlässt. Diese Technik hab ich aber bisher nur im Nürnberger Cinecitta' gesehen.
Wie kommt der Film auf die Leinwand    
Dies ist wohl der komplizierteste Teil. Klar der Film läuft durch den Projektor, hinten leuchtet eine Birne, vorne sind ein paar Linsen und dann kommt das bewegt Bild heraus, ganz einfach eigentlich, nicht ganz:

Also, beim heute gebräuchlichen 35-mm-Film hat jedes Einzel-Bild eine Höhe von 2 cm und seitlich 4 Perforationslöcher. Um ein bewegtes Bild zu erzeugen braucht es im Kino 24 Bilder pro Sekunde. Wenn der Film jetzt einfach nur so an der Lichtquelle vorbeilaufen würde, würde man gar nichts erkennen. Um bewegte Bilder auf die Leinwand zu bringen muss jedes Bild einzeln angehalten und beleuchtet werden und das dann 24 mal in der Sekunde.

Dafür ist in den meisten heute gebräuchlichen Projektoren das sogenannte Malteser Kreuz zuständigt. Das bewegt den Film 24 mal pro Sekunde ein Bild weiter, hält ihn an, und bewegt den Film wieder ein Bild weiter, und so weiter. Jedes Bild wird dabei zweimal belichtet, natürlich nur in dem Moment im dem es still steht. Aber da man den sehr empfindlichen Xenon-Kolben nicht 48 mal pro Sekunde aus- und anschalten kann wird der Lichtstrom mechanisch unterbrochen, durch eine sogenannte Umlaufblende, ein sich drehendes Rad, mit entsprechenden Aussparungen, die das Licht durchlassen. Somit ergibt sich eine Frequenz von 48 Hz, die aber dem Bildaufbau eines 100-Hz-Fernsehers bei weitem Überlegen ist. In einigen neueren Projektoren wird auf das mechanische Malteser Kreuz verzichtet und der Filmtransport elektronisch gesteuert, das Prinzip ist aber das Gleiche.

Durch entsprechende Linsen wird das Bild, dass im Projektor noch auf dem Kopf steht, richtigrum auf die Leinwand vergrößert.
Wie kommt der Ton in die Boxen?    
Außerdem werden im Projektor die Toninformationen ausgelesen, die sich neben dem Bild auf dem Filmstreifen befinden. Je nach Technik, werden dann die optischen Lichtton-Informationen, die digitalen Toninformationen oder der dts-Timecode ausgelesen. Diese Information gehen dann durch Verstärkern, Prozessoren und Endstufen in den Kinosaal. Mehr zum Thema Ton: Info Ton.
Wie ist das mit der Werbung?    
Der größte Teil der Werbung wird immer noch als 35-mm-Kopie in die Kinos geliefert. Auch diese Werbefilme werden dann im Vorführraum zusammen geklebt. Je nach Kino wird die Werbung dann von einer seperaten Rolle [teilweise sogar von einem separaten Projektor] gespielt oder direkt vor den Film geklebt. Allerdings geht der Trend immer mehr zur digitalen Werbung, da die Kosten für die Werber deutlich geringer sind [es müssen nicht teure Kopien gezogen werden] und auch die Arbeit im Kino ist dadurch viel leichter. Muss man bei der analogen Werbung einen neuen Spot in allen Kinosälen einbauen ist man eine Weile beschäftigt, bei der digitalen Werbung geht das einfach per Mausklick. Davon mal abgesehen gibt es in einigen Kinos Dia-Werbung, mit oder ohne Ton.
Was ist eine Matrix-Steuerung?    
In den meisten Kinos - vor allem den Multiplexen - übernimmt ein Automat die Steuerung sämtlicher Elemente, die für eine Kinovorstellung wichtig sind. Hier legt der Vorführer nur noch den Film ein und stellt an der Steuereinheit das richtige Programm ein. Teilweise kann sogar die Startzeit programmiert werden.

Die Matrix-Steuerung öffnet automatisch den Vorhang, dimmt das Saallicht zu Beginn der Werbung auf halb und zu Beginn des Filmes ganz, schaltet das Saallicht bei Abspann wieder an und schließt am Ende den Vorhang und stoppt den Projektor. Je nach Programmierung kann auch eine Pause nach der Werbung gemacht werden, die Zigaretten-Werbung in Nachmittagsvorstellungen automatisch weggelassen werden, etc. Alles was es dazu braucht sind ein paar kleine Metallfolien, die an die entsprechende Stelle auf den Film geklebt werden. Werden die Folien von der Matrix-Steuerung erkannt, dann wird der entsprechend programmierte Befehl ausgeführt. Als Zuschauer bekommt man davon nichts mit und wenn man nicht weiß worauf man achten muss kann man die Aufkleber auf der Leinwand auch nicht sehen.
Und dann?    
Nachdem der Film dann das letzte mal im Kino gelaufen ist, wird er wieder in seine einzelnen Akte zerlegt, in die Plastikdosen und schließlich in den Karton verpackt und vom Spediteur abgeholt. Dieser bringt den Film dann entweder in ein Filmlager oder in ein anderes Kino.